Umverteilung

Die Diskussion wird oft so geführt, dass die Konsumsteuer die Bezieher hoher Einkommen begünstige und kein geeignetes Mittel zur Behebung unangemessener Machtkonzentrationen sei.
Ich denke,
- dass der erste Vorwurf vollständig in "Einwand 4" gelöst ist, und weiter,
- dass im Grunde weder die Konsumsteuer noch die Einkommenssteuer besonders geeignete Umverteilungs- und Machtbeschneidungsinstrumente sind - wenn auch die Konsumsteuer die Möglichkeiten der Selbstbereicherung von Unternehmen deutlicher als die Einkommenssteuer beschränkt.
(S. hier: die Widerlegung der Einwände 1, 2 und 4)

Außerdem sehe ich den Versuch, die Umverteilungs- und Machtfrage überhaupt am Steuermodell festzumachen zu wollen, als von vorneherein zum Scheitern verurteilt an! Jedenfalls da, wo man das bedingungslose Grundeinkommen will:
Das bedeutendste Mittel für die Umverteilung ist nämlich immer noch das bedingungslose Grundeinkommen selbst! 
- In ausreichender Höhe ausgegeben gibt es jedem Einzelnen, erst recht den Familien, eine starke finanzielle Basis (das ist schon der erste Teil der Umverteilung)
- mehr noch stärkt es die "Verhandlungsmacht" des "Arbeitnehmers" gegenüber dem "Arbeitgeber", so dass die Möglichkeit zu Ausbeutung und Machtausübung gewaltig schwindet, weil niemand mehr arbeiten muss, wo er nicht will.
- Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen in ausreichender Höhe wird man sich auch nicht mehr mit "Mindestlöhnen" abspeisen lassen wollen, sondern auf eine angemessene Gewinnverteilung pochen -
und die Umverteilung ist in vollem Gang.

Vor diesem Hintergrund sieht man, wie unsinnig es ist, Götz Werner als "neoliberal" abqualifizieren zu wollen, nur weil er ein besonderes Finanzierungsmodell vertritt. Unabhängig davon, wie man sein Finanzierungsmodell beurteilt: indem er für ein Grundeinkommen eintritt, welches bedingungslos ausgegeben wird und durch angemessene Höhe die Basis zur individuellen Freiheit schafft, tritt er auch gleich für einen angemessenen Machtausgleich und für eine angemessene Umverteilung ein. Die "Freiheit des Marktes", die in der heutigen Zeit in extremer Weise auch die Möglichkeit der Ausbeutung mit einschließt, wird durch ein bedingungsloses Grundeinkommen (in angemessener Höhe) auf jeden Fall in eine solche "Freiheit des Marktes" verwandelt, die nur die Möglichkeit der freiwilligen Zusammenarbeit bietet. Und freiwillig arbeitet man nur zusammen - nicht, wo man sich gegenseitig ausbeutet - sondern wo man sich (wert-) schätzt und vertraut.

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Mit diesen Zeilen hoffe ich, ein Problem gelöst zu haben, welches seit Jahren spaltend in der Grundeinkommensbewegung wirkt. Für Kommentare, Verbesserungsvorschläge und Kritik ist unter jeder Fragestellung auf dieser Webseite Platz.

Ob die Lösung einer Frage auf der Sachebene auch eine Klärung auf der Beziehungsebene mit sich bringt und uns wieder mehr zusammenführt, ist natürlich offen. Aus rein menschlichen Erwägungen – und um die Grundeinkommensbewegung zu einen und für ihre künftigen Aufgaben zu stärken - wäre das aber sehr zu hoffen.

Kommentare:

  1. In manchen Kommentaren wird die Konsumsteuer mit einem Allheilmittel verwechselt. Sie kann und wird nicht die Fehler bei der Geldschöpfung beheben.

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  2. @Zeit - da sind wir absolut einer Meinung:
    Unbedingt ansehen:
    http://www.monetative.org/?page_id=61

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  3. Die Konsumsteuer ist kein Allheilmittel.
    Sie ist aber das zeitgemäße Instrument in unserer sich immer weiter differenzierenden arbeitsteiligen Gesellschaft.
    Die Konsumsteuer bietet uns die Möglichkeit, Unternehmen mit geringen Geldmitteln zu führen, und nur die für die Produktion notwendigen Kosten Vorzufinanzieren.
    Die Beträge für ein Grundeinkommen brauchen dadurch nicht mehr durch Kredite an Unternehmen vorfinanziert werden, ebenso die Sozialabgaben, und die Gelder für gesellschaftliche Aufgaben.

    Ich vermute, dass die Rolle der Banken durch ein Konsumsteuer finanziertes Grundeinkommen auf ein gesundes Maß schrumpfen wird.

    Das bestehende Einkommensteuer- und Abgabensystem kann dies nicht leisten, da Unternehmen immer vor dem Problem der Vorfinanzierung stehen. Das heißt , solange der Kunde das Produkt noch nicht erworben hat, es ist ja auch noch nicht fertig ... mußen die Gelder für die Produktion in Irgendeiner Form Vorher dem Unternehmen zur Verfügung stehen.

    Durch dieses gewaltige herauslösen von Kosten aus der Produktion mittels der Konsumsteuer, reduziert sich der Kreditbedarf, es fallen dadurch keine Zinsen an. Es verschwindet damit ein großer Fluß der Umverteilung von Unten nach Oben...

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  4. Tolles Argument - das habe ich bisher noch nicht so gesehen!
    ... Dann noch eine ordentliche öffentliche - nicht mehr private - Geld-SCHÖPFUNG, wie "monetative.de" das vorschlägt - und die Welt ist in Ordnung!
    Danke!, Ralph

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  5. Lieber Ralph Boes,
    Danke für die wunderbar verständlich dargestellten Zusammenhänge zwischen BGE und KOnsumsteuer.
    Ebenso an Wolfgang H. mit seiner ergänzenden Gedanken. All dies bestärkt auch mich immer mehr, für diesen "Utopie" zu gehen.
    Grüße
    Rita

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  6. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  7. Hallo Ralph,

    toll das Du Dir so viel Mühe machst. :-)

    Klassenkampf-Perspektiven halte ich für ungeeignet in der bGE-Bewegung. Es ist ja mittlerweile schon so, dass man manche Initiativen gar nicht mehr empfehlen kann.
    Ich denke, wer sich am Konzept von Götz Werner orientiert hat eine gute Grundlage.


    Mit Grüßen
    Thomas

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  8. Was mir noch zur Konsumsteuer und BGE zusammen einfällt ist:

    Eine Eisfabrik heute, (Eine Kugel Eis kostet heute 1 EUR)
    jetzt treten die Konsumsteuer und das BGE ein, d.h. das ja das Eis durch die Entlastung der Steuer 0,50 EUR kostet und durch die Konsumsteuer wieder 1 EUR.

    Die Gehälter sind von 2.000 EUR brutto praktisch auf 1.000 EUR netto beschränkt usw.

    Jetzt verlangen die Arbeiter dort plötzlich, sagen wir 1.800 netto.
    Sagen wir, der Arbeitgeber kann diese Arbeiter noch nicht durch Maschinen ersetzen und die Arbeitsbedingungen sind schon ausreichend, der Job ist einfach so "dreckig".

    Jetzt kostet das Eis durch die hohen Gehälter dann sagen wir 0,90 EUR mit Konsumsteuer also 1,80 EUR.

    Damit will ich sagen, dass die Gemeinschaft ja im Prinzip dann die Preise reguliert. Die Gemeinschaft bzw. die Arbeiter dort, finden die Arbeit hart und wollen eine bessere Bezahlung folglich steigert es den Wert des Eises.
    Nun wenn die Gemeinschaft das Eis zu teuer findet, müsse es sich überlegen, wie es nun diese harte Arbeit vielleicht doch durch Maschinen ersetzen kann oder, dass eben mehr Arbeiter kommen die zu niedrigen Preisen arbeiten.

    Allerdings müsste man vielleicht doch ein wenig auf Missbrauch achten.
    Nicht das der Arbeitgeber sagt, unsere Arbeiter wollten mehr Geld und wir haben "berechnet" dass das Eis nun so und so teurer ist.
    (Man muss dann praktisch aufpassen, dass die steigenen Lohnanforderungen von den Arbeitnehmern, der Arbeitgeber nicht als Argument benutzt seine Preise höher aufzustocken, als sie eigentlich notwendig sind.)

    Sagen wir, bei den neuen Löhnen würde das Eis nur 0,60 EUR kosten, er tut aber so als müsste er den Preis auf 0,80 EUR schrauben und kann sich nun doch mehr Gewinn einstecken.

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    Die Entlastung der Unternehmen mit einer Konsumsteuer finde ich echt gut, genauso wie das BGE, denn dann könnte man wie Wolfgang schon sagte, leichter ein Unternehmen gründen.

    Es wäre leichter ein Startkapital anzuhäufen und natürlich kann man zu seinen Mitarbeitern auch mal sagen:
    "Hey Leute, diesen Monat lief es nicht so gut, was haltet ihr davon, dass ihr diesen Monat nur 200 EUR statt 800 EUR bekommt, oder habt ihr einen Vorschlag wie wir die Zeit GEMEINSAM durchstehen?"

    Oder man kann sagen: "Hey Leute, unsere Maschine gibt langsam den Geist auf, wärt ihr bereit für 4 Monate 75% eures Gehaltes zu verzichten, damit WIR diese neue Maschine uns anschaffen können oder wollt ihr so weiter machen, mit dem Schrottteil? *Auf die Maschine klopf*" :P

    Ich bin bei der Konsumsteuer allein skeptisch aber ich finde die Konsumsteuer und das BGE gehören zusammen.

    Mir fallen keine Argumente gerade ein, aber es kam oft vor, dass ich manche Dinge von einem BGE nur mit der Konsumsteuer am besten argumentieren konnte, genauso sah es anders herum auch aus.

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    1. Ich möchte kurz was zum steigendem Eispreis sagen:

      Ich erkenne überhaupt keinen Unterschied zu den heutigen Möglichkeiten der Preiserhöhungen. Fakt ist, wenn der Markt höhere Preise annimmt, dann passt doch alles. Wenn der Unternehmer mehr Gewinn macht und diesen nicht 1:1 an die Mitarbeiter weiter gibt, dann wird dieser Gewinn ja irgendwo anders investiert, so wie heute eben auch. Selbst der Hausbau schafft ja auch wieder Einkommen für die Bauarbeiter. Dass das Haus später nur vom Unternehmer und seiner Familie genutzt wird, ist wie gesagt heute auch schon alles so. Ich sehe da keine besondere Gefahr, dass das im besonderen Maße zunimmt. Denn wenn ein anderer Unternehmer erkennt, dass man mit kleineren Gewinnen die Kunden anziehen könnte, dann wird hier schnell auch eine Korrektur einsetzen.

      Das ist Marktwirtschaft, nur wird dieser Begriff manchmal mit negativen Vorzeichen gezeichnet. Schuld daran sind falsche oder unvollständige Vorstellungen.

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  9. Und ich hoffe, dass mein Kommentar noch gelesen wird, denn die Daten hier, sind mindestens 2 Jahre alt :P

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